10 häufige Fragen zu Kambo, du dir vielleicht auch schon gestellt hast

Ich habe sie jedenfalls schon oft beantworten dürfen. Da lohnt es sich doch, sie zentral an einer Stelle, aufzuschreiben – und meine Antworten gleich mit.

1. Wie bereite ich mich am besten auf die Kambo-Zeremonie vor?

Zur körperlichen Vorbereitung ist es wichtig, dass du bereits zwei bis drei Tage vor der Sitzung auf Alkohol und andere Drogen verzichtest und Nikotin möglichst reduzierst. Ernähre dich von leichter, unverarbeiteter Kost und achte darauf, ausreichend Schlaf zu bekommen. Idealerweise solltest du acht bis zwölf Stunden vor der Sitzung nichts mehr essen und nur minimal Wasser trinken. Wenn dir das Fasten schwerfällt oder du direkt von der Arbeit zur Sitzung kommst, wird dein Practitioner dir spezifische Tipps geben, um den Tag besser zu überstehen. Bitte beachte, dass andere „Entgiftungspraktiken“, wie häufiges Saunieren in den Tagen zuvor, eher kontraproduktiv bis hin zu gefährlich sein können. Gehe es daher gelassen an.

Der äußere Rahmen (Setting) spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Plane den Tag gut und vermeide es, nach der Zeremonie Termine zu haben. Bring dir bequeme Kleidung mit, die im Zweifelsfall auch schmutzig werden darf (Stichwörter: Drachenblut oder Durchfall). Kläre im Vorfeld alle organisatorischen Fragen sowie Kontraindikationen und Sicherheitsaspekte mit deinem Practitioner ab. Optimal ist es, wenn du am Tag selbst gut ausgeschlafen bist, frei von Verpflichtungen und innerlich bereit, dich auf den Prozess einzulassen.

Innere Vorbereitung (Set) bedeutet, dir ein bis zwei klare, einfache Intentionen zu setzen, ohne dabei Druck zu empfinden. Erlaube dir, sowohl den Respekt vor der Intensität als auch das Vertrauen in den Prozess bewusst zu spüren. Es ist wichtig, Fragen und Ängste offen anzusprechen und dir nach der Zeremonie bewusst Raum für Integration zu schaffen – sei es durch Ruhe, Natur, Schreiben oder sanfte Bewegung, anstatt sofort in den vollen Alltag zurückzukehren.

2. Ist Kambo nur eine körperliche Reinigung?

Häufig ist es das Thema „körperlicher Hausputz“, das gesunde Menschen zu Kambo bringt. Wir wissen, dass die Wirkstoffe im KamboSekret Prozesse auf zellulärer Ebene anstoßen können – genau dort, wo viele körperliche und mentale Belastungen ihren Anfang nehmen. Wenn hier Stoffwechselprodukte und „Zellmüll“ effizienter abgebaut werden, kann sich das positiv auf Energiehaushalt und Stoffwechselgesundheit auswirken.

Damit geht aber nicht nur Entlastung des Körpers einher, sondern oft auch eine spürbare Veränderung im Erleben, mehr Wohlbefinden und „Flow“. Ich erlebe häufig, dass genau diese gesunden Teilnehmer hinterher überrascht sind, wie ganzheitlich und überraschend sich das Ergebnis anfühlen kann – und weit über das hinaus geht, was sie erwartet haben.

3. Warum muss ich vorab einen Fragebogen ausfüllen?

Ein verantwortungsbewusster Practitioner stellt dir eine Reihe von Fragen über deinen Gesundheitszustand, bevor er zum Brennstäbchen greift. Das kann per Online-Fragebogen geschehen, oder im persönlichen Gespräch. Wichtig ist, dass es stattfindet, bevor du dich auf den Weg machst. Denn nichts ist frustrierender, als mit leerem Magen durch die halbe Stadt zu fahren und dann erst herauszufinden, dass du nicht behandelt werden kannst. Es gibt nämlich tatsächlich eine Reihe von Ausschlusskriterien und auch ein paar gute Gründe, die Zeremonie besser zu verschieben.

Zum Beispiel rate ich Frauen davon ab, Ihre erste Zeremonie mit dem ersten Tag der Periode zu kombinieren. Wenn du Medikamente einnimmst, ist es wichtig, das Timing zu besprechen, dabei sicherzustellen, dass die Behandlung sicher und gut in deinen Tagesablauf platziert werden kann, ohne die Wirkung der Medikamente zu beeinflussen.
Also bitte fülle den Fragebogen nach bestem Wissen aus und verheimliche nichts, nach dem ausdrücklich gefragt wird.

4. Brauche ich bei Kambo zwingend einen Eimer?

Das Erbrechen ist ein sehr häufiger Teil des Reinigungsprozesses, aber keine Pflichtaufgabe. Der Körper entlädt auf unterschiedliche Weise: durch Erbrechen, Durchfall, Schwitzen, Tränen, Zittern oder einfach tiefe Erschöpfung. Manche Menschen werden kurz ohnmächtig. Entscheidend ist nicht, wie es aussieht, sondern wie stimmig es sich in dir anfühlt.
Davon abgesehen, kann das Purging sich richtig gut anfühlen, befreiend. Es ist nicht die gleiche Form von Erbrechen, wie es manche von uns von einer akuten Lebensmittelvergiftung her kennen oder von Alkoholexzessen in der Pubertät.

Bei manchen funktioniert das nicht so gut von alleine und der Eimer bleibt erst einmal leer. Deshalb darfst du ab einem bestimmten Zeitpunkt gegen Ende der Zeremonie mit dem Finger nachhelfen – wenn du das möchtest.

5. Wie geht es mir nach der Behandlung?

Direkt nach Kambo fühlen sich manche sehr klar und leicht, andere sind erst einmal müde und erschöpft. Wichtig ist, dass du für beide Eventualitäten gerüstet bist.

Gerade als Anfänger solltest du also nicht sofort mit einer längeren Autofahrt im Anschluss an die Zeremonie planen. Falls sich das nicht vermeiden lässt, nimmst du vielleicht einen Begleiter mit oder übernachtest bei Freunden. Auch wenn du mit einiger Kambo-Erfahrung besser einschätzen kannst, wie es dir hinterher geht, gibt es immer die eine Ausreißer-Erfahrung, bei der plötzlich alles anders ist.

In den weiteren Tagen können sich Stimmungen, Träume und innere Bilder verändern. Es ist sinnvoll, dir bewusst Raum zu geben: viel Wasser, Ruhe, Natur, Bewegung – und idealerweise eine Begleitung, mit der du deine Erfahrungen sortieren kannst.

6. Ist Kambo ein Gift?

Im Englischen gibt es zwei unterschiedliche Begriffe für „Gift“: venom und poison.

„venom“ ist eine Substanz, die ein Tier zum Zweck, einem Gegner zu schaden, produziert und die in der Regel mit einem Applikationswerkzeug – also Stachel, Giftzahn, etc. – injiziert wird. Über ein solches Werkzeug verfügt der Frosch erwiesenermaßen nicht. Und weshalb er sein Sekret produziert, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Häufig genannt werden Feindesabwehr und Sonnenschutz. Generell schädlich ist es nicht, weshalb das Kambo-Sekret schon mal kein venom ist.

Ein “poison“ ist eine Substanz, die in einer bestimmten Dosierung gefährlich wird. Diese Definition trifft überraschenderweise auf das Wasser zu, das in der Zeremonie zum Einsatz kommt. Der medizinische Fachbegriff für eine Wasservergiftung lautet Hyponatriemie. Wenn du magst, lies hierzu meinen Artikel über Sicherheit beim Wassertrinken bei Kambo.
Manche Menschen haben bereits hohe Mengen Kambo genommen und hatten einen völlig normalen Prozess. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang zwischen Dosis und Reaktion, weshalb auch poison nicht der richtige Begriff ist.

Kambo ist unabhängig von der Dosis eine starke Intervention. Deshalb können auch konservative Punktzahlen für manche Menschen zu viel sein. Zum Beispiel, weil das System den starken Anstieg und Abfall des Blutdrucks nicht verkraftet. Wenn du schon einmal in vollem Sprint einem abfahrenden Bus hinterhergerannt bist, weißt du vielleicht, dass das nicht jeder Mensch kann. Deshalb würde aber niemand behaupten, dass Rennen ein Gift ist.

Einigen wir uns doch einfach auf Frosch-Sekret. Das ist neutral.

7. Ist Kambo psychedelisch?

Kambo wirkt körperlich intensiv, aber nicht psychedelisch. Es gibt in der Regel keine visuellen Halluzinationen, sondern eine starke somatische PurgeErfahrung. Platt ausgedrückt: Du weißt während der gesamten Zeremonie, wo und wer du bist. Wenn dein Practitioner seine Sache gut macht, trägst du dich selbst durch den Prozess und er tritt in den Hintergrund. Das kann eine sehr (er)mächtige(nde) Erfahrung sein, denn Sie zeigt dir, dass du das kannst.
Es kommt aber immer wieder vor, dass Klienten dem Frosch begegnen oder andere Erlebnisse haben, die von den allgemein wahrnehmbaren Geschehnissen im Zeremonie-Raum weit entfernt sind. Oft passieren diese Dinge, wenn diese Personen kurz ohnmächtig sind. Dahinter verbirgt sich oft ein heilsames Geschenk und die Menschen, die ihre Erfahrungen mit mir geteilt haben, waren sehr berührt davon.
Davon abgesehen, passiert im Umfeld von Kambo so einiges, was man sich nicht ganz so einfach erklären kann. Das Auftauchen von Fröschen auf Schritt und Tritt, wenn die letzte Zeremonie schon (etwas zu) lange her ist, ist ein klassisches Beispiel.

8. Verträgt sich Kambo mit allen anderen indigenen Behandlungsmethoden?

Die Stämme im Amazonas haben eine Vielzahl Behandlungsmethoden mit uns geteilt, darunter den Tabak Mapacho, den Schnupftabak Rapé, die Augentropfen Sananga, den Tee für die Seele Ayahuasca und natürlich Kambo. Manche Stämme arbeiten mit mehreren dieser Anwendungen, andere konzentrieren sich auf eine oder wenige davon.
Deshalb rate ich dir dazu, „in einer Linie“ zu bleiben. Man sollte zum Beispiel nicht unbedingt die Vorbereitung der Shipibo auf den „Tee“ mit einer anschließenden Kambo-Zeremonie kombinieren. Die Shipibo nutzen dafür nämlich eine salzfreie Dieta, um sich auf die intensive Kommunikation mit dem Pflanzenspirit vorzubereiten. Sie arbeiten nicht mit Kambo. Weil die Shipibo zu den ersten Stämmen gehörten, die den „Tee“ auf unserem Kontinent mit uns geteilt haben, hat ihre Dieta Einzug in viele Vorbereitungs-PDFs genommen, die von Veranstaltern bis heute fast unverändert verschickt werden.
Im Zuge der westlichen „Viel-hilft-Viel“-Attitude werden außerdem oft Dinge zusammen gemixt, die besser getrennt bleiben sollten. Gerade wenn du neu in der Arbeit mit den Regenwald-Medizinen bist, rate ich dir, die Sache langsam anzugehen und nicht mit Anlauf ins Becken zu springen.

9. Kann Kambo alte Traumata „heilen“?

Kambo kann Zugang zu tiefen Schichten von Gefühl und Erinnerung öffnen und festgehaltene Energie in Bewegung bringen. Das kann heilsam sein, braucht aber einen sicheren Rahmen und oft weiterführende Intergration danach. Hier ist Demut angebracht: Ich betrachte Kambo nicht als alleinige „Traumatherapie“, sondern als einen Baustein in einem größeren Weg.  Sinnvoll ist es ein Traumtagebuch zu führen oder zu beginnen. Kompetente Traumaarbeit im 1:1 Setting mit einer kompetenten Person deiner Wahl, unterstützt dich, um aktivierte Gefühle und Erinnerungen zu integrieren.

10. Woran erkenne ich, ob Kambo das Richtige für mich ist?

Wenn du den Impuls spürst, dich mit Kambo zu beschäftigen, und gleichzeitig Respekt vor der Intensität hast, ist das schon einmal ein gutes Zeichen für deine Bewusstheit. Diesen Respekt verlieren wir nicht auf unserem Weg, einerlei ob man in die erste oder zweite Session geht, oder nach jahrelanger Erfahrung und einer Ausbildung selber Kambo gibt, der Respekt bleibt. Genau das hilft, offen, geistig beweglich, aufmerksam zu bleiben, also nicht nur auf Routinen zu vertrauen (oder auf das eigene Ego). Ein klärendes Gespräch mit deinem Practicioner kann immer helfen, um zu spüren, ob Kambo jetzt in dieser Lebensphase, mit deiner eigenen Geschichte und deiner körperlichen Situation, stimmig zusammenpasst. Am Ende zählt dein Bauchgefühl – und die Bereitschaft, Verantwortung für deinen Prozess mit zu tragen.

Auch dieser Blog-Post ist unter Einsatz von Kaffee entstanden. Mehr davon? Buy me a Coffee

Scroll to Top