Das Thema Vertrauen in der Kambo-Arbeit

Stell dir vor, du kommst zum ersten Mal in eine Praxis. Du weißt nicht genau, was dich erwartet. Du hast recherchiert, gelesen, vielleicht vorab mit jemandem gesprochen – und bist trotzdem unsicher. Dann öffnet sich die Tür. Und innerhalb von Sekunden ist die Entscheidung bereits gefallen, ob du hier richtig bist.

Was dann passiert, ist biochemisch alles andere als trivial. Und es bestimmt, ob du dich auf die Intervention – Kambo, Beratung, jede Form von Heilarbeit – überhaupt einlassen kannst. Oder eben nicht.

Aber da ist noch eine andere Frage. Eine, die sich mit Biochemie allein nicht beantworten lässt: Wie lief die Entscheidung ab, dass du genau hier anklopfen würdest? Wann hast du Vertrauen gefasst?

Was IAKP-Standards mit Vertrauen zu tun haben

In der IAKP arbeiten wir nach gemeinsamen Standards – ob in Berlin, London, São Paulo oder Tel Aviv. Du kannst einen IAKP-Kollegen am Strand von Goa treffen und weißt schon im Vorfeld, dass du dich auf gewisse Elemente seines Vorgehens verlassen kannst: Dasselbe Ausbildungscurriculum. Dieselben Sicherheitsprotokolle. Dieselbe Ethik im Umgang mit Klienten. Nur der persönliche Flavor ist immer anders. Manche Kollegen legen mehr Wert auf den zeremoniellen Charakter. Ich komme z.B. eher aus der Biohacking-Wissenschafts-Ecke, wie du auch am Themenfeld dieses Blogs unschwer erkennen kannst.

Als IAKP-Trainerin bilde ich Practitioner aus, die diese Standards mittragen und leben. Wer bei mir trainiert, lernt nicht nur Technik. Er lernt, warum die Qualität der eigenen Präsenz kein Soft Skill ist, sondern Kern der Arbeit.

Das ist nicht selbstverständlich in einem Bereich, der weitgehend unreguliert ist. Und es ist auch neurobiologisch relevant: Standards schaffen Vorhersehbarkeit. Vorhersehbarkeit ist ein Sicherheitssignal. Das Nervensystem registriert, wenn ein Rahmen stabil und klar ist – und entspannt sich entsprechend.

Auf der IAKP-Website kannst du nach unseren Kollegen in deiner Nähe suchen – und weißt, was dich erwartet, bevor du anrufst. Und dann stehst du also vor dieser Tür…

Das Nervensystem urteilt vor dem Verstand

Stephen Porges, Neurowissenschaftler an der Indiana University, nennt es Neuroception: die blitzschnelle, unbewusste Scankompetenz des Nervensystems, die kontinuierlich Gesichter, Stimmen, Räume und Körper auf Signale von Sicherheit oder Gefahr prüft.[1] Das passiert nicht im präfrontalen Kortex. Es passiert im Hirnstamm und in der Amygdala – Strukturen, die hunderte Millionen Jahre älter sind als unser denkendes Gehirn.

Porges’ Schlussfolgerung ist provokant einfach: “Feeling safe is the treatment.” Nicht eine Vorbedingung für die Behandlung – die Behandlung selbst.

Ein Nervensystem im Zustand der Bedrohung ist auf Überleben ausgerichtet: Muskeln angespannt, Verdauung heruntergefahren, Wahrnehmung eingeengt. Es ist nicht bereit für Integration, für Lernen, für Heilung. Ein Nervensystem, das Sicherheit registriert hat, ist das genaue Gegenteil davon.

Was dabei in deinem Körper passiert

Der molekulare Kern von Vertrauen ist gut verstanden. Oxytocin – produziert im Hypothalamus, neun Aminosäuren, Wirkungsbereich von Geburt bis Stressregulation – ist nicht das “Kuschelhormon” der Populärpresse. Es ist ein präziser neurobiologischer Schalter. Eine 2005 in Nature veröffentlichte Studie zeigte: Oxytocin erhöht Vertrauen gegenüber anderen Menschen spezifisch, ohne die allgemeine Risikobereitschaft zu verändern.[2] Es macht uns nicht leichtgläubig. Es macht uns sozial offen.

Neurobiologisch dämpft Oxytocin die Amygdala-Reaktivität auf soziale Bedrohungssignale und verbessert die Kommunikation zwischen Amygdala und präfrontalem Kortex.[3] Es schaltet also nicht die Alarmanlage aus – es sorgt dafür, dass Alarm und Vernunft besser miteinander reden.

Gleichzeitig reguliert es die Stressachse des Körpers direkt: Heinrichs und Kollegen zeigten 2003, dass die Kombination aus sozialer Unterstützung und Oxytocin die stärkste Dämpfung der Cortisolstressreaktion ergab – stärker als jeder der beiden Faktoren allein.[4] Soziale Sicherheit und Neurochemie potenzieren sich.

Und die Ruhe eines Practitioners überträgt sich nicht über Worte. Spiegelneuronen sorgen dafür, dass sie neuronal simuliert wird – direkt, körperlich, ohne Umweg über den Verstand.[5] Ramseyer und Tschacher konnten 2011 zeigen, dass Bewegungssynchronie in therapeutischen Sitzungen – wie gut sich Therapeut und Klient körperlich aufeinander abstimmen, ohne es zu merken – messbar mit besserem Behandlungsergebnis assoziiert war.[6] Atemrhythmus, Körperhaltung, Bewegungsqualität: alles Signale, die das Nervensystem des Klienten die ganze Zeit auswertet.

Für Kambo ist das keine abstrakte Überlegung. Kambo ist eine intensive Körpererfahrung – Erbrechen, Hitze, Herzrasen, Benommenheit. Ob ein Nervensystem diese Intensität integriert oder als Trauma abspeichert, entscheidet sich nicht in der Zeremonie. Es entscheidet sich im Erstgespräch. Im Empfang. In der Stimmlage. Das Erstgespräch, die Raumgestaltung, der Empfang – das sind keine Stilfragen. Es sind neurobiologische Signale.

Paul Zak beschreibt Vertrauen als einen “self-fulfilling biochemical loop”: Ich vertraue – Oxytocin steigt – ich öffne mich – der andere reagiert – bei ihm steigt Oxytocin.[7] Ein Kreislauf, der sich selbst nährt. Er beginnt bevor ein Wort gesagt wurde. Und er lässt sich nicht inszenieren – das Nervensystem registriert Kongruenz.

Und dann sind da noch die Frösche

Wer einmal anfängt, sich mit Kambo zu beschäftigen, dem begegnen sie plötzlich überall. Auf einem Markt. Auf einem Bild an der Wand eines Fremden. In einem Traum. Das lässt sich als Confirmation Bias abtun – das Gehirn filtert aus dem Rauschen heraus, worauf es gerade geeicht ist. Aber wer das erlebt hat, weiß, dass sich diese Erklärung zu klein anfühlt.

Jung nannte es Synchronizität: das bedeutungsvolle Zusammentreffen von inneren Zuständen und äußeren Ereignissen, das sich nicht auf Kausalität reduzieren lässt.* Das Nervensystem ist längst in Resonanz geraten – und die Welt antwortet. Oder umgekehrt. Die Reihenfolge bleibt unklar, und das ist vielleicht der Punkt.

Der Kambo-Frosch geht unter die Haut. Wörtlich – die Dots hinterlassen kleine Narben, die Träger dieser Medizin erkennen. Aber auch im übertragenen Sinne: Er nistet sich ein. In der Aufmerksamkeit, in den Träumen, in der Art, wie man plötzlich die Welt liest. Wer einmal gerufen wurde, ist hinterher nicht mehr derselbe.

Wenn der Zeitpunkt stimmt, kommt der richtige Lehrer

Wer in meinen Kambo-Trainings sitzt, bringt nicht nur Wissensdurst mit. Er bringt seine Geschichte mit. Häufig stolpern Teilnehmer genau an dem Tag über eine Werbung für mein Training, an dem sich Komplikationen bei der Entscheidung für ein anderes Angebot ergeben haben. Plötzlich ist der Weg klar.

Aus neurobiologischer Sicht lässt sich das übersetzen: Das Nervensystem hatte die Vorentscheidung bereits getroffen, bevor der Verstand zu recherchieren begann. Die Neuroception hatte Grünes Licht gegeben. Der Rest war Logistik.

Aber das erklärt noch immer nicht das Timing.

Viele Traditionen, die mit Kambo arbeiten, würden sagen: Der Frosch ruft. Nicht als Metapher – sondern in dem Sinne, dass diese Begegnung nicht herbeigewünscht wird, sondern ankommt. Dass es eine Intelligenz gibt, die jenseits von Biochemie operiert. Und sich ihrer bedient, ohne sich auf sie zu reduzieren.

Ich glaube, dass Vertrauen mehr ist als Biochemie. Alles hier Beschriebene – Oxytocin, Cortisol, Spiegelneuronen, Synchronie – ist real und wichtig. Aber es beschreibt nicht, warum manche Menschen genau dann auftauchen, wenn sie bereit sind. Warum ein Artikel gelesen wird, wenn die Frage schon im Raum steht. Warum eine Ausbildung beginnt, wenn der innere Boden bereitet ist.

Menschen, die zum richtigen Zeitpunkt kommen, lernen nicht nur Techniken. Sie begegnen etwas, das schon in ihnen wartete.


Du überlegst, ob Kambo das Richtige für dich ist – oder ob eine Ausbildung dein nächster Schritt sein könnte? Ruf an. Schreib mir. Hör, wie sich das anfühlt.


Vertrauen ist gut. Kaffee auch. Buy me a Coffee.



Quellen

[1] Porges SW. Polyvagal Theory: A Science of Safety. Front Integr Neurosci. 2022;16:871227. doi: 10.3389/fnint.2022.871227

[2] Kosfeld M, Heinrichs M, Zak PJ, Fischbacher U, Fehr E. Oxytocin increases trust in humans. Nature. 2005;435:673–676. doi: 10.1038/nature03701

[3] Garcia et al. Intranasal oxytocin reduced amygdala reactivity to social threat cues. World J Biol Pharm Health Sci. 2024;19(1):197–204.

[4] Heinrichs M et al. Social support and oxytocin interact to suppress cortisol and subjective responses to psychosocial stress. Biol Psychiatry. 2003;54(12):1389–1398.

[5] Sun Y et al. What Else Is Happening to the Mirror Neurons? Bibliometric Analysis 1996–2024. Brain Behav. 2025;15(4):e70486. doi: 10.1002/brb3.70486

[6] Ramseyer F, Tschacher W. Nonverbal synchrony in psychotherapy. J Consult Clin Psychol. 2011;79(3):284–295.

[7] Zak PJ. The neuroscience of trust. Harvard Business Review. 2017. / Zak PJ. Trust Factor. AMACOM 2017.


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