Honig: 7 wissenschaftlich belegte Eigenschaften, die du kennen solltest

really good honey

Gesundheitsbewusste Menschen machen häufig einen großen Bogen um Zucker in jeder Form. Trotzdem steht Honig in den Küchen vieler Biohacker. Die wissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte hat eine Reihe von Wirkungen identifiziert, die belegen, dass Honig eher bioaktiver Vitalstoff, als reines Süßungsmittel ist – und nicht umsonst eine der ältesten Medizinen der Menschheit.

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Für ein 500g-Glas Honig fliegt ein Bienenvolk übrigens etwa 88.000 Kilometer – mehr als zweimal um die Erde [1]. Davon sammelt eine einzelne Arbeiterbiene in ihrem gesamten Leben weniger als 1 Gramm Honig [2]. 

Hier sind sieben Eigenschaften von Honig aus dem Gesundheitsbereich, die du vielleicht auch noch nicht kanntest. Sie wurden aber in klinischen Studien untersucht und dokumentiert.

Dieser Artikel basiert auf wissenschaftlicher Literatur und dient der Information. Honig ist kein Ersatz für medizinische Behandlung. Bei Gesundheitsfragen immer Fachleute konsultieren. 

1. Schnellere Wundheilung 

Honig wird seit der Antike auf Wunden aufgetragen. Aber wusstest du auch, dass moderne Kliniken medizinischen Honig (Medical-Grade Honey) bei Verbrennungen, diabetischen Fußgeschwüren und chronischen Wunden einsetzen? [3].

Was passiert dabei? Honig schafft ein feuchtes, antibakterielles Milieu, das die Regeneration der Haut fördert. Er stimuliert Leukozyten zur Freisetzung von Zytokinen, was den Gewebereparaturprozess in Gang setzt [4]. Außerdem regt der Honig die Immunantwort an und fördert die Bildung von neuem Gewebe [5].

Eine Metaanalyse zeigte, dass mit Honig behandelte Wunden im Durchschnitt 13 Tage schneller heilen als solche, die mit Silbersulfadiazin behandelt wurden [6]. Nebenwirkungen wie Hypergranulation, hypertrophe Narben und Irritationen traten bei Honig in nur 4% der Fälle auf, verglichen mit 28% bei Silber [7].

Die klinische Evidenz ist so stark, dass Honig-Verbände mittlerweile in der Wundversorgung weltweit anerkannt sind [8]. Und auch wenn du natürlich keinen medizinischen Honig im Regal stehen hast, kann der Selbstversuch mit Imkerhonig auf der schmerzhaften Schürfwunde sicher nicht schaden. 

2. Effektiv gegen Mikroben

Hier wird es richtig interessant: Honig tötet nicht nur Bakterien, Pilze und einige Viren ab [9] – er schafft auch das Kunststück, dass Bakterien kaum Resistenzen dagegen entwickeln [10]. Der antimikrobielle Effekt kommt nämlich durch mehrere Mechanismen zustande [11]:

  • Osmose: hoher Zuckergehalt entzieht Bakterien Wasser
  • Niedriger pH-Wert (3,2-4,5): saures Milieu hemmt viele Krankheitserreger
  • Wasserstoffperoxid: entsteht durch das Enzym Glukoseoxidase aus Bienen
  • Methylglyoxal (MGO): Besonders in Manuka-Honig, direkt antibakteriell
  • Polyphenole und Flavonoide: Zusätzliche antimikrobielle Wirkung

Medizinischer Honig ist wirksam gegen ein breites Spektrum: gram-positive und gram-negative Bakterien (E. coli, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus), sogar MRSA (methicillin-resistente Bakterien)[12] [13].

Studien zeigen: Selbst wenn Honig verdünnt wird und der osmotische Effekt nachlässt, bleibt die antibakterielle Wirkung bestehen [14]. Das ist bemerkenswert – und könnte in Zeiten von Antibiotikaresistenzen einen Unterschied machen.

3. Stark gegen Husten

Kinderärzte empfehlen ihn, Großmütter kannten den Trick schon immer, und die Wissenschaft bestätigt, dass beide richtig liegen: Honig lindert Husten effektiver als viele rezeptfreie Hustensäfte [15].

Eine Cochrane-Review (der Goldstandard für medizinische Evidenz) untersuchte mehrere randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 899 Kindern [16]. Die Ergebnisse:

– Honig reduziert die Hustenhäufigkeit stärker als ohne Behandlung oder mit Placebo
– Honig verbessert den Schlaf von Kindern und Eltern signifikant
– Honig wirkt ähnlich gut wie Dextromethorphan und besser als Diphenhydramin (beides gängige Hustensaft-Wirkstoffe)

In einer Studie verbesserte sich nach einer einzigen 2,5ml Dosis Honig vor dem Schlafengehen die Hustenhäufigkeit von 4,09 auf 1,93 Punkte (auf einer 7-Punkte-Skala), während die Kontrollgruppe kaum Verbesserung zeigte [17].

Mechanismus: Honig wirkt entzündungshemmend, schleimlösend und beruhigend auf die Schleimhäute [18].

Wichtig: Honig darf Kindern erst nach dem ersten Lebensjahr gegeben werden (Botulismus-Risiko bei Säuglingen) [19].

4. Präbiotisch für die Darmflora

Honig ist mehr als nur Zucker. Er enthält Oligosaccharide – komplexe Kohlenhydrate, die im Dünndarm nicht verdaut werden und intakt in den Dickdarm gelangen [20].

Dort dienen die Oligosaccharide als Nahrung für nützliche Darmbakterien wie Bifidobakterien und Laktobazillen [21] [22]. Ihre Fermentation produziert kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) wie Acetat, Propionat und Butyrat [23].

Das stärkt die Darmbarriere, reduziert Entzündungen, verbessert die Immunfunktion und hemmt pathogene Bakterien wie Salmonella, E. coli und Clostridiodes difficile [24]

Studien zeigen: Honig fördert selektiv das Wachstum nützlicher Bakterien, während pathogene Keime unterdrückt werden [25]. Diese präbiotische Wirkung macht Honig zu einem natürlichen Unterstützer der Darmgesundheit. Anders als Antibiotika, die die Darmflora zerstören, hilft Honig, sie aufzubauen [26].

5. Schutz vor freien Radikalen

Honig ist reich an Polyphenolen, Flavonoiden und Enzymen wie Katalase und Glukoseoxidase [27]. Diese Verbindungen fangen freie Radikale ab und schützen Zellen vor oxidativem Stress [28]. Oxidativer Stress ist ein zentraler Faktor bei Alterung, chronischen Entzündungen und Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurodegenerativen Leiden [29].

Je dunkler der Honig, desto höher ist übrigens sein antioxidatives Potenzial. Buchweizenhonig und Waldhonig gehören zu den stärksten natürlichen Antioxidantien [30].

In einer Studie erhöhte sich nach dem Konsum von Buchweizenhonig messbar die antioxidative Kapazität im Blutplasma [31]. Die Probanden zeigten nach vier Wochen täglichem Honig-Konsum niedrigere Entzündungsmarker [32].

6. Gut für Herz und Kreislauf

Regelmäßiger Konsum von Honig wird mit reduzierten LDL-Werten (schlechtes Cholesterin), verbesserten Gefäßfunktionen und niedrigeren Entzündungsmarkern in Verbindung gebracht [33].

Eine Studie zeigte, dass Honig die Triglyceride senkt und das HDL (gutes Cholesterin) erhöht [34]. In einer anderen Untersuchung verbesserte Honig die endotheliale Funktion – die Fähigkeit der Blutgefäße, sich zu erweitern und zu kontrahieren [35]. Die Polyphenole und Flavonoide in Honig wirken nämlich entzündungshemmend und gefäßschützend [36].

7. Süß ohne Blutzucker-Crash

Obwohl Honig süß ist, führt er zu einer moderateren Blutzuckerreaktion als Haushaltszucker [37]. Der Grund: Die spezielle Zusammensetzung aus Fruktose, Glukose und Begleitstoffen wie Enzymen, Mineralien und Polyphenolen.

Einige Studien zeigen sogar, dass Honig die Insulinsensitivität verbessern kann [38]. In einer Untersuchung an Diabetikern führte Honig zu niedrigeren Blutzuckerspitzen als Glukose oder Saccharose [39].

Für Sportler oder Menschen mit intensiver körperlicher Belastung bietet Honig eine schnell verfügbare, aber stabile Energiequelle ohne den typischen Zucker-Crash [40].

Was kannst du dir aus diesem Artikel mitnehmen?

Honig ist kein Wundermittel. Aber er ist auch weit mehr als nur ein süßer Brotaufstrich. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt: Honig besitzt antibakterielle, antivirale, entzündungshemmende, antioxidative und immunmodulierende Eigenschaften, die in der modernen Medizin zunehmend anerkannt werden.

Ein paar praktische Hinweise zum Schluss:

  • Roher, ungefilterter Honig behält die meisten bioaktiven Stoffe
  • Roh bedeutet: nicht über 40°C erhitzt und nur grob gefiltert
  • Roher Honig kristallisiert mit der Zeit, woran man ihn gut erkennen kann
  • Dunkle Honigsorten (Buchweizen, Wald, Manuka) haben höhere antioxidative Werte
  • Insbesondere Supermarkthonig bitte keinesfalls an Bienen verfüttern. Es sind möglicherweise Erreger enthalten, die dem Menschen nicht schaden, den Bienen der regionalen Imker jedoch schon
  • Wenn du eine entkräftete Biene füttern willst, bitte Zuckerwasser anbieten
  • Honig hält natürlich deutlich länger, als die 2 Jahre, die der Imker als Mindesthaltbarkeit angeben muss. Der älteste nachweislich genießbare Honig, der je gefunden wurde, ist etwa 5.500 Jahre alt und stammt aus Tonkrügen in einem bronzezeitlichen Grab im heutigen Georgien [41]

Kaffee mit Honig schmeckt auch gut. Buy me a Coffee

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Quellen:

[1] Canadian Honey Council. How to make a pound of honey. https://honeycouncil.ca/how-to-make-a-pound-of-honey/

[2] Canadian Honey Council. Bee Facts. https://honeycouncil.ca/industry-overview/bee-facts/ 

[3] Molan, P., & Rhodes, T. (2015). Honey: a biologic wound dressing. Wounds, 27(6), 141-151. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26061489/ 

[4] Samarghandian, S., Farkhondeh, T., & Samini, F. (2017). Honey and Health: A Review of Recent Clinical Research. Pharmacognosy Research, 9(2), 121-127. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5424551/ 

[5] Yaghoobi, R., Kazerouni, A., & Kazerouni, O. (2013). Evidence for Clinical Use of Honey in Wound Healing as an Anti-bacterial, Anti-inflammatory Anti-oxidant and Anti-viral Agent: A Review. Jundishapur Journal of Natural Pharmaceutical Products, 8(3), 100-104. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3941901/ 

[6] Jull, A. B., Cullum, N., Dumville, J. C., Westby, M. J., Deshpande, S., & Walker, N. (2015). Honey as a topical treatment for wounds. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015(3), CD005083. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK538361/ 

[7] Jull et al., 2015 

[8] Meo, S. A., Al-Asiri, S. A., Mahesar, A. L., & Ansari, M. J. (2017). Role of honey in modern medicine. Saudi Journal of Biological Sciences, 24(5), 975-978. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28663690/ 

[9] Yaghoobi et al., 2013 

[10] Samarghandian et al., 2017 

[11] Yaghoobi et al., 2013 

[12] Eteraf-Oskouei, T., & Najafi, M. (2013). Traditional and modern uses of natural honey in human diseases: a review. Iranian Journal of Basic Medical Sciences, 16(6), 731-742. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3758027/ 

[13] Almasaudi, S. (2021). The antibacterial activities of honey. Saudi Journal of Biological Sciences, 28(4), 2188-2196. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8004509/ 

[14] Yaghoobi et al., 2013 

[15] Oduwole, O., Udoh, E. E., Oyo-Ita, A., & Meremikwu, M. M. (2018). Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018(4), CD007094. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29633783/ 

[16] Oduwole et al., 2018 

[17] Goldman, R. D. (2014). Honey for treatment of cough in children. Canadian Family Physician, 60(12), 1107-1110. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4264806/ 

[18] Oduwole et al., 2018 

[19] Goldman, 2014 

[20] Schell, K. R., Fernandes, K. E., Shanahan, E., Wilson, I., Blair, S. E., Carter, D. A., & Cokcetin, N. N. (2022). The Potential of Honey as a Prebiotic Food to Re-engineer the Gut Microbiome Toward a Healthy State. Frontiers in Nutrition, 9, 957932. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9367972/ 

[21] Mohan, A., Quek, S. Y., Gutierrez-Maddox, N., Gao, Y., & Shu, Q. (2017). Effect of honey in improving the gut microbial balance. Food Quality and Safety, 1(2), 107-115. https://academic.oup.com/fqs/article/1/2/107/3860141 

[22] Schell et al., 2022 

[23] Schell et al., 2022 

[24] Schell et al., 2022 

[25] Mohan et al., 2017 

[26] Schell et al., 2022 

[27] Samarghandian et al., 2017 

[28] Eteraf-Oskouei & Najafi, 2013 

[29] Gheldof, N., Wang, X. H., & Engeseth, N. J. (2002). Identification and quantification of antioxidant components of honeys from various floral sources. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 50(21), 5870-5877. 

[30] Schramm, D. D., Karim, M., Schrader, H. R., Holt, R. R., Cardetti, M., & Keen, C. L. (2003). Honey with high levels of antioxidants can provide protection to healthy human subjects. Journal of Agricultural and Food Chemistry, 51(6), 1732-1735. 

[31] Schramm et al., 2003 

[32] Eteraf-Oskouei & Najafi, 2013 

[33] Yaghoobi, N., Al-Waili, N., Ghayour-Mobarhan, M., Parizadeh, S. M., Abasalti, Z., Yaghoobi, Z., Yaghoobi, F., Esmaeili, H., Kazemi-Bajestani, S. M., Aghasizadeh, R., Saloom, K. Y., & Ferns, G. A. (2008). Natural honey and cardiovascular risk factors; effects on blood glucose, cholesterol, triacylglycerole, CRP, and body weight compared with sucrose. The Scientific World Journal, 8, 463-469. 

[34] Yaghoobi et al., 2008 

[35] Eteraf-Oskouei & Najafi, 2013 

[36] Samarghandian et al., 2017 

[37] Samarghandian et al., 2017 

[38] Erejuwa, O. O., Sulaiman, S. A., & Ab Wahab, M. S. (2012). Honey: a novel antioxidant. Molecules, 17(4), 4400-4423. 

[39] Erejuwa et al., 2012 

[40] Eteraf-Oskouei & Najafi, 2013 

[41] https://www.georgia-insight.eu/georgien/kueche/honig

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