Kambo und das liebe Geld: Preise, Fairness und die Sache mit der Energie

Kambo and Money


Es gibt Themen, über die man in der Heilarbeit nicht gern spricht. Geld ist eines davon. Zu materiell, zu prosaisch, irgendwie nicht passend zwischen Smudging-Bowl und Bauchatmung. Dabei ist kaum etwas so ehrlich wie ein Preis. Er sagt, was jemand für seine Arbeit hält. Und wie er seine Klienten behandelt. Sprechen wir also darüber.

Der Begriff Energieausgleich hat sich als scheinbar elegante Umschreibung für Bezahlung etabliert. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Heilarbeit fühlt sich anders an als eine reine Dienstleistung, „Preis“ klingt dafür etwas grob, also nennt man es anders. Energieausgleich klingt doch gleich viel netter…

Warum “Energieausgleich” sachlich falsch ist

Allerdings wird die Miete für den Zeremonie-Raum in Euro bezahlt. Die IAKP-Ausbildung kostet Geld. Geld ist auch die Währung, in der sich die Kambo-Sammler im Regenwald bezahlen lassen. Heilarbeit professionell und sicher anzubieten – mit Ausbildung, Supervision, Materialien, Vor- und Nachbereitung – ist Arbeit. Echte, zeitintensive, verantwortungsvolle Arbeit. 

Wer seine Arbeit als Energieaustausch rahmt, öffnet entweder die Tür für eine Logik, in der alles als Gegenleistung gelten kann. Zeit. Weiterempfehlung. Mithelfen beim Aufbau. Ein nettes Instagram-Posting. Oder einfach: Anwesenheit und gute Absichten.

Oder auf dem Flyer steht: „Energieausgleich: 100 EUR“. Das wiederum vernebelt die Tatsache, dass jeder Mensch unterschiedlich viel Energie aufwenden muss, um auf die gleiche Summe zu kommen. Für den Krypto-Millionär genügt ein Mausklick, die Friseurin steht sich für die 100 EURO bestimmt 2 Stunden lang die Beine in den Bauch. Und der Kranke, der nicht arbeiten kann, weil ihm die Energie zum aufstehen fehlt – für den ist die gleiche Summe oft unerschwinglich.

Mein Tipp: Wenn es schon irgendwas mit Energie sein soll, dann könnte man es Energieaustausch nennen. Das entspricht wenigstens den Tatsachen, denn Geld ist gespeicherte Energie. Ich bleibe trotzdem lieber bei Preis. Und meine Preise – so sagt mein Mann – sind viel zu niedrig.

Preisgestaltung: Was ein Preis aussagt

Ein zu niedriger Preis sagt: Ich bin mir nicht sicher, ob das hier wirklich etwas wert ist. Ein zu hoher sagt: Ich ziele auf Menschen, die Exklusivität kaufen wollen, nicht Wirkung. Und ein Preis, der je nach Sympathie, Hartnäckigkeit oder Tagesform variiert, sagt: Hier gibt es keine Regeln. Nur Verhandlungsgeschick.

Das Nervensystem registriert das alles. Wer über seinen Preis unsicher wirkt, wirkt über seine Arbeit unsicher. Und wer seinen Preis auf Druck hin senkt, hat dem Klienten gerade gezeigt, dass Druck funktioniert – ein denkbar schlechter Einstieg in eine Beziehung, die auf Vertrauen basieren soll. Vielleicht hast du ja meinen Artikel „Vertrauen: den richtigen Kambo Practitioner oder Trainer finden“ schon entdeckt.

Daher fühle ich mich weiterhin gut mit meinen relativ niedrigen Preisen. Sie haben nämlich einen guten Grund.

Kambo soll für alle erschwinglich sein

Kambo wird oft von Menschen gesucht, die einen langen Leidensweg hinter sich haben. Chronische Erkrankungen, Erschöpfung, Zustände, für die die Schulmedizin keine befriedigende Antwort hatte. Diese Menschen haben häufig bereits viel investiert – an Geld, an Energie, an Hoffnung.

Ich habe meine Preise bewusst so gesetzt, dass Kambo für diese Menschen erreichbar bleibt. Nicht aus Mitleid. Sondern weil ich glaube, dass Zugänglichkeit ein Teil von Integrität ist.

Das bedeutet: Der Preis ist kalkuliert, nicht willkürlich hoch. Und er ist für alle gleich – was ihn für niemanden zum Luxus macht, den man sich erst erstreiten muss.

Das heißt nicht, dass du nicht mehr zahlen darfst, wenn du es dir leisten kannst. In manchen Restaurants gibt es auch das Konzept, dass man für einen armen Mitmenschen ein Essen mitkaufen kann. Der Wirt gibt es dann kostenlos an den Bedürftigen aus, wenn er darauf angesprochen wird. Dieses System funktioniert auch in der Kambo-Praxis. Solltest also auch dur zur Spezies der Krypto-Millionäre zählen oder aus anderen uellen mit stabilen Finanzen gesegnet sein: Runde den Preis einfach auf und verweise auf diesen Post. Der nächste Mensch, dem es weniger gut geht, zahlt dann entsprechend weniger.

Warum ich keine Rabatte gebe – außer einem

Wenn du dich sehr früh im Jahr für ein Training anmeldest, landest du im Early Bird-Rabatt. Der hat einen klaren Grund: Planungssicherheit. Wer früh bucht, ermöglicht mir, einen Kurs verlässlich vorzubereiten. Die Kurse auf Englisch sind größer angelegt, wir unterrichten zu Zweit. Oft ist noch ein Trainer-Trainee dabei und eine Köchin. Dafür muss ich logischerweise eine größere Venue mieten – und das gleich für zwei Wochen am Stück. Planungssicherheit ist da ein realer Wert, den ich gerne zurückgebe.

Nicht weil ich unflexibel bin. Sondern weil Fairness kein Verhandlungsgegenstand ist. Jeder Klient zahlt denselben Preis. Der Freund von früher. Der, der besonders nett fragt. Der, der drei Mal nachfragt. Der, der andeutet, er könnte eigentlich woanders hingehen. Wenn ich für eine Person einen Preis senke, zahlen alle anderen zu viel.

Es gibt aber immer die Option, das Training abzuzahlen, so wie es dein finanzieller Spielraum zulässt. Ein Kollege, den ich sehr schätze, zahlt sein Training in 50-EUR-Schritten ab. Und mehr als einmal war mein Konto gerade leer, ich musste etwas bezahlen – und plötzlich kamen diese 50 EUR rein und retteten den Tag. So bleiben die Dinge im Flow.

Freunde unterstützt man anders

“Kannst du mir als Freund einen guten Preis machen?”

Ich verstehe, was dahintersteckt. Aber dreh den Spieß doch mal um: Vor ein paar Wochen wollte mir eine Freundin Ohrringe verkaufen – und von sich aus einen Freundschaftspreis machen, obwohl ich nicht darum gebeten hatte. Was ich dann gezahlt habe, war mehr als das, was auf dem Preisschild stand. Nicht aus Großzügigkeit oder weil ich es so dicke habe. Sondern weil mir das Wohlbefinden meiner Freunde am Herzen liegt. Und damit ist es mein ureigenstes Interesse, dass es ihr auch finanziell gut geht.

Warum sollte das bei meiner Arbeit anders sein? Freunde, die deine Arbeit wertschätzen, zahlen deinen Preis. Freunde, die dich mögen, aber deine Arbeit verhandeln, verwechseln beides.

Die schönste Art, einen Practitioner oder Trainer zu unterstützen, den man schätzt: buchen, empfehlen, bezahlen. Ohne Nachverhandlung.

Geld will sich bewegen

Es gibt eine Idee, die in vielen Traditionen auftaucht und die Verhaltensökonomie zunehmend bestätigt: Geld ist kein Besitz. Es ist ein Fluss.

Wer aus Mangel heraus zahlt – zögernd, widerwillig, mit dem stillen Gefühl, etwas zu verlieren –, sendet ein Signal. Nicht nur nach außen, sondern ins eigene Nervensystem. Knappheit als Grundgefühl erzeugt Knappheit als Verhaltensmuster. Man gibt weniger aus, nimmt weniger an, schrumpft den eigenen Radius – und wundert sich, warum das Leben enger wird.

Geld, das fließt, kehrt zurück. Nicht als mystisches Versprechen, sondern als beobachtbare Realität: Wer großzügig bucht, großzügig empfiehlt, großzügig zahlt, bewegt sich in einem anderen Netzwerk als jemand, der jeden Euro zweimal umdreht, bevor er ihn weitergibt. Die Kreise, in denen man sich bewegt, formen sich um die Energie, die man aussendet.

Das bedeutet nicht, leichtfertig zu sein. Es bedeutet, den Unterschied zu kennen zwischen einem Preis, den man sich nicht leisten kann – und einem Preis, den man sich nicht leisten will.


Auch Kaffee zahlt man am besten mit Bargeld – Buy me a Coffee

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