Als ich mich einst zur Kambo Ausbildung bei der IAKP anmeldete, hatte ich einen Plan: Ich wollte mir dieses Wissen hauptsächlich für den Hausgebrauch holen. Hin und wieder eine Zeremonie für mich und meinen Mann. Dabei sollte es bleiben. Das klang vernünftig und überschaubar. Aber der Frosch hält sich nun mal nicht an gutgemeinte Pläne. Und so kam es anders.
Viele Menschen erreichen nach ein paar Zeremonien den Punkt, an dem sich etwas Tiefes rührt und der Gedanke auftaucht: Ich will das weitergeben. Aber passt das auch zu einem? Die Antwort darauf beginnt mit ein paar Fragen, die man sich beantworten sollte, bevor man zum Training angemeldet ist.
Die Mehrheit der Teilnehmer weiß nach dem Kurs, dass Kambo Practitioner ihr Weg ist – mit einer Klarheit, die vorher nicht da war. Aber andere haben in den zwei Wochen für sich herausgefunden, dass es eben nicht das ist, was sie wirklich machen wollen. Und sagen trotzdem, dass es das transformativste war, was sie je erlebt haben. In beiden Fällen ist man hinterher seiner eigenen Wahrheit ein Stück näher gekommen.
Dieser Text soll dich abholen, wenn du gerade genau an dieser Stelle stehst. Und du bist natürlich herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen, um die Fragen zu stellen, die dir hier nicht beantwortet wurden.
Fangen wir mit dem an, was dich erwartet und vor allem, was Kambo-Arbeit nicht ist – weil das oft der klarste Einstieg in das ist, was sie wirklich bedeutet.
Was Practitioner sind und was nicht
Keine Ärzte. Keine Psychotherapeuten. Keine Hüter des Allheilmittels. Klienten kommen manchmal mit dieser Erwartung, und sie ist verständlich. Wer einen langen Leidensweg hinter sich hat, sucht etwas, das wirklich hilft. Ein Practitioner, der das klar benennen kann, der weiterverweist, der Kontraindikationen ernst nimmt und auch bei einem vielversprechenden Fall Nein sagt, wenn die Situation es verlangt, ist weit besser gerüstet, als einer, für den Kambo immer die Antwort ist.
Unter dem Strich bedeutet das, dass sich medizinische Themen in deinem Leben etablieren werden. Der Scan nach Kontraindikationen, der Abgleich von teils langen Medikamentenlisten mit den Substance Guidelines der IAKP – all das gehört zum Practitioner-Alltag dazu.
Kambo lieben ist keine Qualifikation
Im Amazonas wachsen die Menschen mit Kambo auf. Sie kennen es von Kindheit an, lange bevor irgendjemand von ihnen erwartet, es weiter zu geben. Wir stolpern frühestens im jungen Erwachsenenalter über Kambo und sind nach drei Sessions begeistert. Begeisterung ist ein guter Anfang, aber ein schlechter Ratgeber für tiefgreifende Entscheidungen.
Kambo als Klient zu erfahren und Kambo zu geben haben ungefähr so viel miteinander zu tun wie ein Konzert zu genießen und vorne auf der Bühne zu stehen. Als Teilnehmer gibt man sich hin. Als Practitioner hält man den Raum – für jemanden, dessen Prozess man nicht steuern kann und nicht steuern soll, und dessen Sicherheit man verantwortet, während man selbst geerdet bleibt.
Überhaupt kommt man bei einem Leben im Dienst einer Medizin unterdurchschnittlich wenig in der Gleichung vor. Wer Kambo vor allem als Ausweg aus einem Leben sieht, das gerade an Perspektiven mangelt – oder als Weg zu einem Platz, von dem aus man endlich Antworten hat – dem merkt die Medizin das an. Und die Klienten merken es ebenfalls.
Wer sich hingegen vorstellen kann, Menschen auf schwierigen Wegen zu begleiten, ohne sofort eine Lösung parat haben zu müssen – der versteht bereits, was wir mit „Holding Space” meinen.
Kannst du ruhig da sitzen?
Holding Space – den Raum halten – klingt nach einer Metapher, ist aber ein sehr konkretes Skillset. Jemand liegt vor dir, der Körper arbeitet, vielleicht weint die Person, vielleicht schreit sie, vielleicht wird sie ganz still auf eine Art, die oft schwerer auszuhalten ist als alles andere. Und deine Aufgabe ist es, da zu sein – ruhig, aufmerksam, ohne den Prozess zu unterbrechen, zu beschleunigen oder wegzumachen.
Das ist schwieriger, als es klingt. Der Impuls, etwas zu tun, wenn jemand leidet, ist tief. Einzugreifen, zu erklären, zu trösten, die Situation aufzulösen. Als Practitioner lernt man, diesen Impuls zu erkennen und trotzdem stillzubleiben – solange der Prozess läuft und die Person sicher ist. Das ist nicht Gleichgültigkeit, sondern Vertrauen in den Prozess.
Und wenn du noch gar nicht weißt, ob dir das liegt? In diesem Fall bist du in guter Gesellschaft. Wo kann man das schon trainieren? Unser normales Leben bietet nicht gerade viel Gelegenheit, das Raumhalten zu üben. Deshalb schlagen wir auf der Info-Seite zum Training vor, dass du bei einem Kambo Practitioner deines Vertrauens vorab schon mal assistierst. Es ist kein Muss, aber es gibt dir einen guten Einblick in das, was dich erwartet – bevor du die Entscheidung triffst.
Was im Training hochkommt
Das Basic Practitioner Training bei der IAKP ist 14 Tage lang. In diesen 2 Wochen hast du täglich Unterricht, alle paar Tage eine Behandlung, danach Feedback. Du musst außerdem für die Abschlussprüfung lernen und vielleicht bekommst du wenig Schlaf, weil dein Zimmernachbar schnarcht. Mit anderen Worten: Es wird emotional – bei anderen und bei einem selbst. Wer in dieser Zeit merkt, dass er in Stresssituationen aussteigt, Grenzen anderer schnell als störend empfindet oder Feedback schwer annehmen kann, bekommt etwas Wertvolles gezeigt: nämlich, dass der nächste Schritt ein anderer sein sollte.
Es kommt vor, dass jemand die Ausbildung nicht abschließt. Eine Schule, die jeden durchwinkt, ist keine seriöse Schule. Das Zertifikat am Ende sagt nicht: Du weißt jetzt Bescheid. Es sagt: Du weißt jetzt, wie viel noch vor dir liegt. Wer den Kurs bestanden hat, weiß was er noch nicht weiß.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der Frosch läuft nicht weg. Wer spürt, dass Kambo mehr als eine Phase ist, aber gerade noch nicht bereit ist: mehr Zeremonien, mehr Eigenarbeit, ein stabileres Fundament. Die Medizin verändert sich nicht. Der Zeitpunkt schon.
Und wenn das Ja sich ruhig anfühlt, klar und geerdet trotz aller Fragen – dann ist die Ausbildung zum Kambo Practitioner ein guter nächster Schritt.